Interview mit Thomas Gramm
Bitte stell dich und einige deiner Projekte vor.
Mein Name ist Thomas Gramm. Ich bin ein 85er Jahrgang, war im Jahr 2000 das erste Mal online und veröffentlichte im Dezember 2000 meine erste Homepage. Darauf folgten einige private Projekte und auch zunehmend Projekte für Bekannte und sonstige Auftraggeber. Inzwischen betreue ich rund 25 Homepages. Sowohl Kundenpages, als auch eigene Projekte.
Meine erste große Seite war www.slapped.de, die mir noch während meiner Schulzeit ein nettes Nebeneinkommen verschaffte.
Meine Internettätigkeit ist mein Hobby. Zwar habe ich hierfür ein Gewerbe angemeldet und verdiene damit meinen Lebensunterhalt, aber dennoch gehe ich auch einem „normalen“ Beruf in der Offlinewelt nach.
Insgesamt betreust du ca. 25 Webprojekte. Wie viele Stunden am Tag investierst du in diese?
Die Frage nach den täglichen Arbeitsstunden lässt sich nicht so einfach beantworten. Wenn ein Release eines neuen Projektes oder einer Auftragsarbeit ansteht, können es schon mal 10 Stunden pro Tag oder auch einige Nachtschichten sein. Beim normalen alltäglichen Betrieb sind es 0,5-3 Stunden pro Tag.
Am meisten Zeit investiere ich derzeit in meinen Webkatalog www.kenow.de . Hierfür werden Erweiterungen programmiert, Werbedeals ausgehandelt und Werbeplätze optimiert, Einträge freigeschaltet, …
Dies kann sich aber auch schlagartig ändern. So kann es zum Beispiel sein, dass ich in einigen Wochen größtenteils für ein anderes Projekt arbeiten werde.
Ich orientiere mich meist an den Zugriffszahlen und Einnahmen. Steigen die Zugriffszahlen und Einnahmen, so investiere ich mehr Zeit in das Projekt, um diese Zahlen weiter steigen zu lassen. Sinken die Zahlen, so kämpfe ich nicht um das Projekt. Hört sich seltsam an, ist aber meine Taktik.
Viel Zeit brauche ich für das Abarbeiten der Mails. Früher habe ich alle Anfragen beantwortet, inzwischen muss ich leider zugeben, dass ich nur noch einige Anfragen beantworte. Mails, die auf mich automatisiert wirken, oder bei denen ich den Eindruck habe, dass sie mehrere Empfänger haben, werden meist nicht beantwortet. Pro Tag beantworte ich im Schnitt 5-30 Mails.
Kannst du uns einige Eckdaten zu deinen Projekten nennen?
Ich betreibe Projekte mit 0-5 Besuchern pro Tag, aber auch Projekte mit 2000-5000 Besuchern pro Tag. Somit ist die gesamte Spannweite vertreten.
Grob geschätzt haben sich in den letzten Jahren insgesamt 10.000 – 30.000 Menschen für einen meiner Dienste bzw. auf einer meiner Homepage angemeldet.
Welche Einnahmequellen nutzt du auf deinen Projekten und mit welchen hast du die beste Erfahrung?
Sämtliche Einnahmequellen sind bei mir vertreten: Direktvermarktung, Adsense, Textlinkwerbung, Newsletterwerbung, Layer-Werbung.
Ich versuche auf meinen Seiten Werbung immer erst dann zu schalten, wenn es sich auch lohnt. D.h. auf einer Seite mit 10 Besuchern pro Tag werde ich keine Werbung einblenden – da es den Besuchern nicht gefällt und sich eben für mich nicht lohnt.
Sehr gute Erfahrungen mache ich Monat für Monat mit Adsense, Layer-Ads.de, Adbutler.de. Weitere Anbieter nutze ich natürlich ebenfalls und bin auch mit ihnen zufrieden, aber ich möchte an dieser Stelle nicht alle auflisten.
Unter anderem betreibst du das Forum koinos.de in Kooperation mit einem Bekannten. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit eine solche Kooperation funktioniert?
Man lernt mit der Zeit, Menschen im Internet einzuschätzen. So gibt es Menschen, die sehr überzeugt von sich sind, dann aber, wenn man mit ihnen zusammenarbeitet nur Müll produzieren. Andere dagegen, sind eher zurückhaltend, aber super Kooperationspartner. http://koinos.de betreibe ich zusammen mit Filzo (http://filzo.de). Wir kennen uns schon seit Jahren, da wir in einigen Communities zusammen aktiv sind bzw. waren. Wir hatten vor einigen Jahren die Idee ein eigenes Forum ins Leben zu rufen. Nach ein paar Gesprächen via Mail und Co ging koinos.de online. Wir versuchen Einnahmen und Ausgaben fair zu teilen. Wobei, an dieser Stelle muss man erwähnen, dass wir koinos.de aus Spaß an der Freude und nicht des Geldes wegen betreiben. Dementsprechend gering sind auch die monatlichen Einnahmen.
An vielen meiner Seiten sind mehrere Menschen beteiligt, oft aber nur im Hintergrund. Da ich selbst nicht wirklich gut programmieren oder designen kann, suche ich mir hierfür immer Partner (natürlich gegen Bezahlung). Das hat in den letzten Jahren immer sehr gut geklappt. Ich kann mich spontant nicht an einen negativen Zwischenfall erinnern.
Seit April 2009 betreibe ich zusammen mit einigen Webmastern/Bloggern die Bloggemeinschaft www.tegget.de, auf der wir alle gemeinschaftlich bloggen. Ein super Projekt, ein super Team – es macht einfach Spaß! Hierfür suchen wir übrigens auch ständig Blogger, die Lust haben, einzusteigen. Meldet euch einfach.
Welche Methoden hast du genutzt um das Forum bekannt zu machen?
Wir haben in einigen anderen Foren versucht koinos.de zu bewerben. D.h. hat auch mehr oder weniger gut geklappt. Dann habe ich natürlich auch viel Geld in Google Adwors gesteckt. Auch wurden von mir einige bezahlte Poster eingestellt, die zu Beginn etwas Lebens ins Forum bringen.
Wie gelingt es einem am Anfang aktive Mitglieder und Moderatoren für das Forum zu gewinnen?
Für ein Forum ist der Start nie wirklich einfach. Wir haben damals in unserem Online-Bekanntenkreis versucht User für das Forum zu gewinnen. Gewinnspiele haben wir, soweit ich mich erinnern kann, maximal zweimal veranstaltet. Aber eigentlich nicht zu Beginn des Forums, sondern später, als es schon einigermaßen lief.
Inwieweit nutzt du in deinem Forum die Newsletter an die Mitglieder?
Die koinos.de-User werden von Newslettern verschont. Pro Jahr erhalten sie vielleicht 2-5 Mails. Nicht wirklich viele. Diese sind auch meist komplett werbefrei.
Newsletter vermarkte ich dafür auf anderen Seiten (z.B. www.kenow.de ). Dort werden bedeutend öfter Newsletter – auch mit Werbung – verschickt.
Unter kenow.de betreibst du erfolgreich einen Webkatalog. Lohnt sich dies in heutigen Zeiten überhaupt noch?
Als ich www.kenow.de damals gekauft habe, waren rund 300 Einträge im gesamten Katalog. Heute, nach etwas Suchmaschinenoptimierung, schaffe ich rund 400 Einträge pro Monat. Ob sich Webkataloge lohnen oder nicht, muss jeder Webmaster für sich entscheiden. Ich selbst, trage meine Seiten eigentlich fast nie in Kataloge ein.
Ich möchte jedoch allen Webmastern einen Tipp geben: tragt eure Seiten nicht in Kataloge ein, die mit einem fertigen 08/15-Script arbeiten! Suchmaschinen erkennen, dass dort mit billigen Fertigscripten gearbeitet wird und werten diesen Einträge entsprechend schlechter. Bei kenow.de ist ein eigenprogrammiertes, komplett suchmaschinenoptimiertes, Script im Einsatz.
Die kenow.de-Einnahmen liegen monatlich noch im dreistelligen Bereich. Es ist aber davon auszugehen, dass die Marke der vierstelligen Einnahmen noch dieses Jahr geknackt wird. Größtenteils über GoogleAdsense und Direktvermarktung.
Was gibt es bei der Erstellung eines Webkatalogs besonderes zu beachten?
Bietet in eurem Katalog etwas, das es sonst nicht im Internet gibt. Das erreicht ihr nicht, wenn ihr euch in einem Scriptarchiv ein fertiges Script herunterladet. Kreativität und Arbeit ist hier erforderlich!
Über Designs kann man streiten. Ich persönlich denke nicht, dass ein Webkatalog unbedingt ein super Design braucht, schaden wird es aber sicherlich nicht.
Neben deinen ganzen Projekten bist du auch noch Moderator in einem der größten deutschsprachigen Webmasterforen, dem www.Webmasterpark.net. Inwieweit beeinflusst deine Arbeit im Forum deine Projekte und andersrum?
Was würde ich nur ohne den Webmasterpark machen? Im Webmaterpark finde ich immer Freelancer – auch auf die Schnelle. Anregung für eigene Projekte hole ich mir eher selten aus dem WMP, die kommen meist beim passiven Surfen in anderen Foren.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich als Super-Moderator nicht auch Vorteile hätte. Natürlich wirkt es seriöser, wenn sich ein Team-Mitglied zu Wort meldet, als wenn sich ein unbekannter User äußert – oder gar eine Stellenausschreibung veröffentlicht.
Auch bekommen wir Teamer monatlich eine Punkte-Gutschrift, die ich für Ausschreibungen immer gut gebrauchen kann.
Ich halte nichts von anonymen Usern/Teamern, daher ist es mir wichtig, im Webmasterpark stets meine Hauptdomain www.thomasgramm.com eingetragen zu haben. Die User sollen immer wissen, mit wem sie es zu tun haben.
Was würdest du rückblickend anders machen?
Viel würde ich anders machen! Natürlich habe auch ich zahlreiche Seiten ins Internet gestellt, die ich so heute NIE veröffentlichen würde. Zahlreiche Rechtschreibfehler, hüpfende Grafiken, blinkende Hintergründe, … aber ich denke, dass solche Fehler jeder mal macht. Man lernt aus diesen Fehlern und entwickelt sich weiter.
Nur wer eigene Fehler zum Ansporn nimmt, sich zu verbessern, hat auch die Chance etwas zu erreichen.
Dein Tipp für alle Webmaster die eine Webseite aufbauen möchten?
Fangt mit einem Konzept/Inhalt an! Nicht – bitte niemals – mit einem Design anfangen und dann überlegen, was man da draufpacken könnte. Traurig, aber wahr: das sieht man leider immer wieder. Wenn ihr das Glück habt, und euch fällt eine Idee für etwas ein, das es im Internet noch nicht gibt, dann nutzt diese! Setzt es um und werdet erfolgreich.
Ansonsten bin ich der Meinung, dass man auch mit Kopien Erfolg haben kann. Schaut nach, welche Projekte in den letzten Monaten einen guten Start hingelegt haben und versucht diese als Anregung für ein eigenes Projekt zu nehmen. Bitte aber nicht einfach kopieren!
Oder: informiert euch, was in anderen Ländern (UK, USA, Schweden, Frankreich, …) angesagt ist und setzt die Konzepte für Deutschland um. Das klappte auch bei diversen Web 2.0-Portalen (Facebook/StudiVZ), warum solltest nicht auch Du damit Erfolg haben?
Ich bin der Meinung, dass man sich auch trauen muss, Geld in etwas zu investieren. Viel zu viele schwimmen auf der „kostenlos-Welle“ mit und wundern sich, warum ihre Projekte keine Besucher haben. Wenn ich etwas Tolles anbieten möchte, dann sollte ich auch mal riskieren 500 Euro für einen Programmierer zu bezahlen, anstatt im Internet nach einem fertigen Script zu schauen.
Das war’s von mir. Ich genieße nun das schöne Wetter und schalte den Computer aus (dies machen Internetler leider viel zu selten!).
Haltet die Ohren steif!
Thomas
www.thomasgramm.com
Vielen Dank an Thomas für das Interview!





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