Interview mit Oliver von muschisuppe.com
Bitte stell doch dich und deinen Blog kurz vor.
Ich bin Olli, 30 Jahre alt, Werber in Hamburg und passionierter Musik-Nerd. In meinem Blog „Muschisuppe“ geht es in erster Linie um mich und meine teils skrupellose Sicht der Dinge. Dabei ist es wichtig, die Themen mit einem Augenzwinkern zu betrachten und ich versuche oft die Artikel in den Kommentaren weiterleben zu lassen. Da der Input von Lesern und der daraus entstehende Dialog meistens weitaus interessanter ist, als das was ich schreibe bzw. ich mir beim Schreiben gedacht habe.
Darüber hinaus behandele ich auch meine Steckenpferde Musik, Social Media und Technik. Generell ist das Blog aber durch Unbeständigkeit geprägt. Ich habe sehr viele Posts mit einer Überschrift wie „XY Vol. 1“ oder „YZ Teil. 1“ angefangen, habe aber selten einen zweiten Teil geschrieben, was mitunter damit zu tun hat, dass sich meine Interessen sehr vielfältig und stetig verändern und ich immer etwas Neues suche, was mich und letztendlich auch das Blog beschäftigt. Insgesamt kommt in der Muschisuppe (übrigens ein Zitat aus „Wayne’s World“) ein buntes Potpourri aus unterschiedlichsten Themen zusammen und zeigen in gewisser Weise ein recht authentisches Bild von mir.
Wieso hast du deinen Blog ins Leben gerufen?
Neue Medien haben mich schon immer begeistert und in einem meiner alten Jobs habe ich schon blogähnliche Webseiten betreut und geleitet. Später kam ich durch einen Freund und meiner Musikversessenheit darauf für ein Projekt ein Blog zu starten. Später wurde das Blog dann zur Muschisuppe und führt schon seit circa 3 oder 4 Jahren ein ziemlich vielfältiges dasein.
Welche Methoden hast du genutzt um deinen Blog bekannt zu machen?
Ich habe eine Zeit als bezahlter Blogger für ein paar Tech-Blogs gearbeitet und da ein paar SEO-Sachen gelernt. Allerdings sind das auch nur Basics, die ich angewandt habe. In letzter Zeit konzentriere ich mich mehr darauf das Blog durch twitter und facebook zu flankieren und erreiche damit teilweise sehr gute Ergebnisse.
Kannst du uns einige Eckdaten zu deinem Blog geben?
Muschisuppe ist nun wie gesagt seit circa 4 Jahren Online, hat ab und an für kurze Zeit andere Namen gehabt (Team Dynamique, Jojodat) und ist inzwischen wieder bei einem Pagerank von 3 angelangt. Nachdem der 4er durch Paid-Links durch abgestraft wurde und ich auf 2 runter gestuft wurde. Die Visits verändern sich ständig, ich liege aber immer bei ca. 100 Unique Visitors pro Tag, wobei es nachvollziehbar ist, dass einige Themen eine hohe Google-Akzeptanz haben und fortwährend Leute dadurch auf mein Blog kommen. Ab und an erreiche ich neue Peaks, so habe ich diese Woche durch ein Retweet kurzzeitig 400 Leute innerhalb weniger Stunden auf das Blog ziehen können.
Ich dürfte so circa 50 Feedabonnenten haben, wobei die Zahlen von Feedburner nicht immer 100% sind und entsprechend oft stark variieren.
5 Jahre warst du Berater für Web, Community, Social Media. Wie muss man sich da den Alltag vorstellen?
Gelassen! Berater ist eine sehr schwammige Bezeichung, die man sich oft gibt, wenn man im Web einige Sachen für Geld macht. Ich habe einige Zeit Firmen, Politiker und Startups mal mehr mal weniger intensiv im bzw. ins Netz begleitet und gerade aufgrund der sehr unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Kunden einiges lernen können.
Richtig angefangen hat es bei mir während des Studiums. Die meisten Kunden habe ich zu der Zeit aquiriert und letzt endlich habe ich für meinen letzten Kunden, 1000MIKES, mein Studium abgebrochen und bin nach Hamburg gekommen. Das war für mich die damals beste Entscheidung, gerade da mein Studium der Digitalen Medien den vorher hoch beschworenen Praxisbezug vermissen ließ und ich auch einfach an die Front wollte, um zu sehen wo mich das Neue hintreibt.
Inzwischen bist du seit 1 1/2 Jahr Community Manager. Welche Aufgaben implementiert der Job?
Das ist je nachdem für welchen Kunden bzw. welches Produkt man arbeitet sehr unterschiedlich. Im Konsens ist aber, dass man mit den Leuten arbeitet und eine Grundstimmung aufbaut in der sich alle wohlfühlen. Oft ist es ein einfaches „an die Hand nehmen“, um den Nutzer weiterzuhelfen. Ab und an ist eine Aktion, die für alle einen Mehrwert hat. Zum Beispiel durch einen Gewinn für die Nutzer und der dafür entstandenen Content für die Plattform. Generell geht es aber darum eine Linie zu finden, in der man die Nutzer so involviert, dass sie mit der Plattform gerne und langfristig arbeiten wollen.
In vielen „Wie starte ich einen Blog“ Beiträgen wird immer wieder dazu geraten ein spezielles Thema auszuwählen, um erfolgreich zu sein. Du bloggst quer Beet! Ein Nachteil?
Themenblogs haben den Vorteil, dass wenn man durch Google einen Interessenten fängt, der sehr wahrscheinlich länger auf dem Blog bleibt und auch eher das Blog weiter beobachtet. Schließlich ist er aufgrund eines Themas, dass ich interessiert auf das Blog bekommen.
Wiederum sind Blogs, wenn man sie als Person bzw. privat führt, auch tatsächliche eine Art Tagebuch, welches meiner Meinung nach kein statisches und vor allem vielleicht auch einschränkendes Korsett sein darf.
Ich habe oft erlebt, dass Freunde mein Blog mit Begeisterung gelesen haben und seit meinem Wegzug aus Bremerhaven bildet mein Blog überdies noch die Möglichkeit mit alten Freunden zu kontakten.
Generell sollte man sich wohl eher die Frage stellen „Über was will ich warum bloggen?“ und da kommen bei mir teilweise auch total sinnfreie Posts raus, die aber Anklang, gerade in meinem Freundeskreis, finden und so oft Basis für eine weiterreichende Diskussion in den Kommentaren wird.
Zudem sind viele erfolgreiche Blogs auch mit sehr weitreichenden Themenspektrum versehen und ich denke, dass wenn man die Muschisuppe länger liest, man auch eine gewisse Linie erkennen kann.
Du verfolgst schon seit einigen Jahren beruflich wie privat das Internet und Soziale Medien jeder Art. Wie hat sich das Internet in der Zeit verändert und wohin geht es deiner Meinung nach in Zukunft?
Das Internet bzw. deren Nutzer sind vor Jahren sehr viel selbstbestimmter gewesen als jetzt. Es fing mit Abmahnungen an und geht jetzt in Richtung Netzsperren und Urhebereinschränkungen. Ich will hier auf gar keinen Fall eine Diskussion um die Hintergründe lostreten. Schutz von Kindern und Urheberrechten sind unebstreitbar. Allerdings kommen die derzeitigen Mittel von Menschen, die das Medium nicht verstehen wollen oder aber so gut verstehen, dass sie ihre Felle davon schwimmen sehen. Gutes Beispiel ist derzeit der Eklat zwischen den Verlagshäusern und Google. Die Verlage beschweren sich über Google News, hätten es aber mit einer Codezeile in der Hand dort nicht zu erscheinen. Was denen sauer aufstößt, ist, dass die jetzt nicht mehr die Einzigen sind, die Werbekunden haben und Netzwerbung derzeit Traumumsätze beschert, gerade für Google.
Problem dabei ist, dass die Verlage eine Lobby haben und so auch schnell die Politik auf ihrer Seite haben. Das fehlt den Onlinern noch etwas, wobei die Bewegung rund um vergangene Petitionen etc. schon ein sehr guter Schritt ist.
Leider bleibt doch noch etwas Angst, dass das Netz bald fremdbestimmt ist und man sich nicht mehr frei mit dem Medium auseinandersetzen kann. Einen ersten Schritt hat gerade erst die EU gemacht, in der grundsätzlich Internetsperren u.ä. nicht ausgeschlossen werden.
Was hältst du aktuell vom stark diskutierten Microblogging-Dienst namens Twitter?
Ich habe durch twitter meinen Job bei 1000MIKES bekommen und nutze es selbst als @matzeshorr auch sehr rege. Den Sinn oder Unsinn sollte jeder selbst raus finden und dabei auch die Chancen der Kommunikation in Betracht ziehen. Viele twitter-Kontakte lerne ich in letzter Zeit auf real kennen und das macht das Konstrukt sehr spannend.
Allerdings stößt mir persönlich die in letzter Zeit aus dem twitter-Boden sprießenden dilettantischen Accounts auf, die einfach nur einen weiteren Kanal zum zumüllen suchen.
Welche Blogs verfolgst du selbst regelmäßig?
Mehrere Dutzend. Allerdings werden in letzter Zeit folgende am häufigsten frequentiert:
http://www.fuckyouverymuch.dk
http://www.testspiel.de
http://www.decknews.de
http://www.stadt-bremerhaven.de
Was würdest du rückblickend betrachtet auf deinem Blog anders machen?
Ich hätte nie den Namen/die Domain ändern dürfen! Was aber in Anbetracht des Namens selbst auch wieder nachvollziehbar ist.
Dein Tipp für alle Webmaster, die erfolgreich einen Blog aufbauen möchten?
Auf gar keinen Fall das nachplappern was andere machen. Hypes, wie Apple oder das iPhone, erzeugen kurze Momente, es wird aber oft Menschen geben, die das entweder viel besser können und/oder viel mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Daher durch seine eigene Person ein Unique Point schaffen und in erster Linie auch darauf achten, dass man es nicht macht, um Leuten zu gefallen, denn dann künstelt man.
Über SEO kann man sich ansonsten im Netz zu Tode lesen, um dann auch die nötige Reichweite zu bekommen. Außerdem brauch man auch Zeit. Meine beiden Blogs haben mehrere Jahre gebraucht um jenseits der 100 Uniqiue Visitors zu sein, daher sollte man nicht nach 2 oder 3 Monaten schon aufgeben. Solange man Spaß an dem hat was man macht, sind auch 10 Leser ein sehr gutes Publikum!
Vielen Dank an Oliver für das Interview!





November 21st, 2009 at 12:16
Der Name ist wirklich genial. Sobald ich dran denke muss ich lachen. Lustig mit welchen Ereignissen ich diesen Domainnamen verbinde ;-) Ansonsten aber wieder ein tolles Interview!