Interview mit MyDeals.ch
Bitte stell dich und euer Projekt kurz vor.
My name is Stuber, Reto Stuber. Als Inhaber des Online Shops www.MyDeals.ch bin ich dafür verantwortlich, den deutschsprachigen Raum mit (Marken)Kleidern und Accessoires zu cleveren Preisen zu überraschen.
In diesem Interview werde ich meine persönliche Geschichte und die gemachten Erfahrungen weitergeben, angefangen bei meiner Auswanderung nach New York, über die internationale Lieferantensuche bis hin zur Führung von MyDeals als virtuelles Unternehmen mit Kollegen auf verschiedenen Kontinenten.
Falls nicht alle bis zu Ende lesen, folgende Botschaft gleich zu Beginn: wir bieten den Lesern von Webmaster-Interview.de einen 10% Rabatt auf unserem gesamten Sortiment an – werde jetzt ein Fan unserer Facebook Seite und Du erhältst in Kürze eine Nachricht mit Deinem persönlichen Gutscheincode!
Ich freue mich auf jegliches Feedback oder Fragen von Euch, schreibt mir einfach ein Mail an reto.stuber at mydeals.ch!
Du hast deine Karriere in einem Großunternehmen gegen die Freiheit eines Unternehmers eingetauscht. Was hat dich zu diesem „Risikoreichen“ Schritt bewogen?
Die Neugier. Sicherheit ist angenehm, doch sie macht uns träge. Im Januar 2009 war ich im Urlaub in Florida. Mitten auf dem Highway traf mich der Blitz aus heiterem Himmel. Ich hatte zwar einen tollen Job und vieles mehr, doch im Innersten wusste ich nun, dass die Zeit gekommen war, einen neuen Lebensabschnitt mit vielem Unbekannten in Angriff zu nehmen. So entschied ich mich, vertrautes Terrain hinter mir zu lassen und gegen neue Erfahrungen und Erkenntnisse einzutauschen.
Die Sterne standen günstig, und binnen weniger Wochen konnte ich alles regeln; meine Zelte in der Schweiz zusammen packen und Dank einer in der Lotterie gewonnenen Greencard in die USA ziehen. Dieser Gedanke begleitete mich schon einige Jahre und war nun zur Umsetzung gereift – rasch, aber nicht überstürzt. Die Details zur Auswanderung und den Erlebnissen in New York gibt es in meinem privaten Webonomy Blog.
Den Online Shop www.MyDeals.ch hatte ich als Side-Business bereits Ende 2008 gestartet, als ich noch beim Schweizer Telekommunikationskonzern Swisscom unter Vertrag stand. Die ersten Erfolge motivierten mich, weiter an diesem Projekt zu arbeiten. Die Entscheidung, nun selbstständig unternehmerisch tätig zu sein, ist eng mit der Verlagerung meines Lebensmittelpunktes in die USA verknüpft. Ich habe damit die größtmögliche Flexibilität, meiner persönlichen Leidenschaft zu folgen, meine Fähigkeiten als Unternehmer zu nutzen und Geschäftmöglichkeiten weiter zu entwickeln.
Wieso hast Du MyDeals ins Leben gerufen?
Markenkleidung und stylische Accessoires sind überteuert, wenn man bedenkt was die effektiven Herstellungskosten sind. Ich schaffe mit MyDeals einen Gegenpol dazu. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überlegt sich der Kunde zweimal, wo er sein hart verdientes Geld investiert. Ich will ihm diese Entscheidung leicht machen, bei uns erhält er exklusive Produkte zu einem cleveren Preis. Ein Großteil davon stammt aus Liquidationen der amerikanischen Edel-Kaufhauskette Macys.
Ein weiteres Motiv ist der Unternehmergeist in mir. Als Jugendlicher habe ich bereits eine internationale Zeitschrift publiziert, und während der letzten zehn Jahre wurde ich kontinuierlich ins Spannungsfeld des Business eingeführt. Dabei habe ich mich auch akademisch weitergebildet und konnte meine Sporen „on the job“ abverdienen. Für die Herausforderungen während dieser Zeit und die dabei gewonnenen Erfahrungen bin ich meinen ehemaligen Kunden, Vorgesetzten und Kollegen sehr dankbar. Dieser Rucksack ist mir nun von großem Nutzen.
Welche Methoden habt ihr genutzt, um MyDeals bekannt zu machen?
Firmen, die MyDeals in ihrem Intranet als Sonderangebot für Mitarbeitende aufschalten, erhalten einen entsprechenden Rabatt auf dem Sortiment. Mit diesem Win-Win Angebot konnte ich einige Großfirmen gewinnen, ihren Mitarbeitenden die Vorteile von MyDeals näher zu bringen.
Wir haben außerdem einen Wettbewerb auf verschiedenen Webportalen geschaltet und konnten damit eine erhebliche Anzahl Newsletter Abonnenten gewinnen. Auch der Tausch von Produkten gegen Werbefläche, resp. das Sponsoring von Preisen für andere Internetauftritte, hilft uns den Bekanntheitsgrad zu erweitern und Kunden zu gewinnen. Natürlich spielen wir auch auf der Social Media Klaviatur, mit Facebook, Twitter, Blog etc.
Wir haben auch im Offline Marketing-Bereich (zB mit Flyers am schwarzen Brett) auf uns aufmerksam gemacht und diese Flyers zum Ausdrucken und Aufhängen an Freunde und Bekannte versandt.
Kannst du uns einige Eckdaten zu MyDeals geben?
Gerne zeige ich kurz auf, warum die Kunden bei uns einkaufen ;-).
Sortiment: Wir bieten über 350 verschiedene Artikel in den Kategorien Hemden, Krawatten Uhren, Unterwäsche, Socken und Freizeit in unserem Sortiment an. Dabei handelt es sich meist um Einzelstücke, welche in keinem anderen Shop im deutschen Sprachraum zu haben sind. Wie erwähnt stammt das Sortiment zum Großsteil aus Liquidationen vom amerikanischen Kaufhaus Macys, ein Teil der stylishen Accessoires kommt aus China.
Einfachheit: Einfachheit ist Trumpf, der Kunde soll genau sehen, was er zu welchem Preis erhält – und nicht beim Check Out des Warenkorbs oder beim Öffnen des Pakets eine Überraschung erleben. Wir haben deshalb aussagekräftige Bilder, Texte und Konditionen in unserem Online Shop. Der Versand in der Schweiz ist kostenlos, nach Deutschland und Österreich erfolgt er zu einem Fixpreis von 9 CHF (entspricht ca. 6 Euro). Nach Zahlungseingang versenden wir innert 24 Stunden. Auch für uns sollen die Prozesse einfach und schlank sein, weshalb ich auf Vorauszahlung per Schweizer Postkonto oder via Paypal/Kreditkarte bestehe.
Kundendienst: Der Kunde ist König. Dies ist keine leere Floskel, sondern ein zentrales Motto. Ich bin überzeugt, dass zufriedene Kunden der Schlüssel zum Erfolg sind. Wir versuchen den Kundenwünschen gerecht zu werden, und stehen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Diese persönliche Nähe ist der Vorteil eines kleinen Unternehmens. Kürzlich wollte eine Kunde Krawatten von Donald Trump haben, die es nur hier in den USA gibt. Diese habe ich ihm persönlich organisiert und einem Kollegen auf den nächsten Flug in die Schweiz mitgegeben.
Als Gewinner einer Greencard lebst du inzwischen in den USA. Inwieweit unterscheidet sich das amerikanische Business allgemein vom europäischen?
Ein amerikanischer Manager bemerkte mir gegenüber einmal: „Swiss people always find reasons why we shouldn’t do something. We Americans tend to give it a try and adopt then.” Recht hat er! Wir müssen lernen, einfach mal etwas zu probieren und dann anzupassen (oder etwas unter den Stichworten Beta, Trial, Test,… zu deklarieren) – anstatt von Beginn weg schon Gründe zu suchen, warum etwas nicht funktionieren kann.
Diese „Ich kann das schaffen“-Mentalität ist hier in New York sehr ausgeprägt. Auch wenn die Realität unerbittlich ist, der Amerikaner arbeitet hart und will seine Träume nach Möglichkeit umsetzen. Die allgegenwärtige Rezession führt einerseits dazu, dass Leute weniger bereit sind ein Risiko einzugehen. Andere entwickeln aus der Not heraus neue Ideen und versuchen, für sich ein Stück vom Kuchen zu ergattern.
Dies zeigt sich auch im Internet Business.Es gibt unzählige Start Up’s, die oft auch rasch wieder von der Bildfläche verschwinden. Alles Versager? Keineswegs, jeder einzelne ist um eine Erfahrung reicher.
Auf der Suche nach Lieferanten bist du ins Ausland gegangen. Wie schwer war die Lieferantensuche?
Ich habe verschiedene Lieferanten in den USA und China geprüft. Die Artikel habe ich dann an eine zentrale Stelle in den USA liefern lassen, und von dort in die Schweiz importiert. So sah die erste Lieferung aus – ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern zusammen ;-).
Die Suche nach den Lieferanten war anspruchsvoll, da in einem erfolgreichen Business die Einkaufspreise in einem attraktiven Verhältnis zu den Verkaufspreisen stehen müssen. Dies gilt für meinen Kunden, für meine Lieferanten wie auch für mich als Verkäufer.
Vergleichen lohnt sich, nicht zuletzt mit dem, was in Online-Auktionen (zB eBay) angeboten wird. Natürlich musste ich verhandeln und verschiedene Lieferanten auf den Zahn fühlen: über Preise, Mengen und Konditionen (zB kostenloser Versand als „Goodie“).
Immer wieder ein großes Thema ist das Outsourcing von Arbeitsschritten ins Ausland. Nutzt ihr diese Methoden selbst und wie steht ihr dazu?
Ja, unbedingt. MyDeals ist ein Kleinunternehmen, und ich will persönlich nur die Dinge selbst machen, die ich auch beherrsche oder die mir relevantes Wissen verschaffen. Zeit hat ihren Wert, und meine setze ich gezielt für die mir wichtigen Tätigkeiten ein. Delegieren, motivieren und kontrollieren lautet hier die Devise.
Das erste Design des Shops habe ich von Blake aus Kalifornien machen lassen. Für die technischen Aspekte des Online Shop Systems ist der Globetrotter Gardner zuständig. Den neuesten Release der Software hat er aus Marokko installiert, in Zusammenarbeit mit unserer Schweizer Hosting Firma Cyon. Aktuell schippert er gerade als Korallenvermesser im Pazifik umher.
Mein wichtigster Partner ist Marco in der Schweiz, der für die gesamte Logistik verantwortlich ist. Er hat sich auf meine Annonce auf einem Schweizer Kleinanzeigenportal hin gemeldet und zu Beginn die meisten der Artikel im Shop-System erfasst. Wir haben dann für die neuen Aufgaben ein Provisionsmodell mit verschiedenen Variabeln ausgehandelt.
Ich bin fest davon überzeugt, dass das Modell dieser losen Kooperationen im Sinne von „virtuellen Unternehmen“ Zukunft hat. Diese Freelancer nehmen ihren Job meist sehr ernst und identifizieren sich rasch mit dem Unternehmen.
Für gewisse rudimentäre Arbeiten greife ich auch virtuelle Assistenten in Indien zurück, wobei es in diesem Bereich noch Optimierungspotential gibt.
Neben Markenprodukten verkauft ihr auch noName-Produkte bei MyDeals.Welche lassen sich leichter verkaufen?
Grundsätzlich verkaufen sich die Markenprodukte besser. Diese sind nirgends zu besseren Konditionen zu haben. Einige der angebotenen Brands wie Alfani, Van Heusen, Perry Ellis oder Geoffrey Beene sind in den USA sehr beliebt und bekannt, werden aber im europäischen Markt erst von den Trendsettern getragen, welche direkt in den USA einkaufen.
Was würdest du rückblickend anders machen?
Ich würde nichts anders machen, denn aus den gemachten Erfahrungen konnte ich wertvolle Erkenntnisse mitnehmen. Folgende „Lessons learned“ gebe ich gerne weiter:
Markttests: Ich habe zu Beginn einen gemischten Restposten gekauft, auf gut Glück. Gewisse Artikel davon verkaufen sich gut, andere weniger. Deshalb prüfe ich nun die Auflösung eines Teils des Sortiments, um auf diejenigen Produkte zu fokussieren, welche der Markt will. Ich empfehle auch, den Kunden einfach anzurufen und zu fragen, wie er mit dem Produkt und dem Service etc. zufrieden ist. Dies gibt wertvolle Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten und schafft ein positives Image beim Kunden.
Fokus: Wir verkaufen aktuell eine breite Palette an Produkten verschiedener Marken. Ich gelange zur Überzeugung, dass wir uns in einer oder mehreren Nischen positionieren müssen. Die entscheidende Frage ist dabei immer, wie wir uns von der Konkurrenz abheben und differenzieren – Online Shops gibt es wie Sand am Meer. Diesen Fragen werde ich in den nächsten Monaten beantworten und sukzessive mit meinen Kollegen die notwendigen Veränderungen umsetzen.
Ziele: „What gets measured gets done“. Aus einer Idee heraus entstand das MyDeals Business, jedoch ohne konkrete Geschäfts-Ziele, Termine und Kenngrössen. Meine Erfahrung ist, dass ein Unternehmen dann erfolgreich ist, wenn es über die richtigen Key Performance Indicators gesteuert wird . Unser Cockpit umfasst dabei die Übersicht von Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, neue Kunden, wiederkehrende Kunden, Besucher, Brand Monitoring etc. Ich stecke auch Ziele auf der Zeitachse. Das hilft enorm, die eigenen Aktivitäten zu fokussieren. Es gibt noch viel zu tun!
Dein Tipp für alle Webmaster, die eine Webseite aufbauen möchten?
Just do it, start NOW! Am besten loslegen mit testen und probieren, was warum funktioniert. Nicht monatelang im stillen Kämmerlein brüten und schliesslich merken, dass man am Markt vorbei gedacht und entwickelt hat.
Und alle guten Ideen nützen nichts, wenn man sie nicht in die Tat umsetzt. Findet Leute die Euch bei der Umsetzung unterstützen und mit Euch gemeinsam am selben Strick ziehen. Macht nicht alles selbst, delegiert, lagert Arbeiten aus – und stellt dabei sicher, dass ihr Eure eigene Energie gezielt einsetzt.
Für mich ist auch zentral, dass man mit Herzblut bei der Sache dabei ist. Oder um William Jennings Bryan (1860-1925) zu zitieren: “Destiny is not a matter of chance, it is a matter of choice; it is not a thing to be waited for, it is a thing to be achieved.”
Zur Person: Reto Stuber
Reto Stuber, geboren 1978 in Bern, ist Schweizer Staatsbürger und Greencard-Inhaber mit Wohnsitz in New York, USA. Er führt von dort als Geschäftsführer das Online Business www.MyDeals.ch, welches exklusive Markenkleider und stylishe Accessoires im deutschsprachigen Raum vertreibt.
Als gelernter Radio TV Elektriker hat er 1998 seine Laufbahn beim Schweizer Telekommunikationsunternehmen Swisscom begonnen, in welchem er während zehn Jahren verschiedene Positionen bekleidete. Zuletzt hatte er als Member of Management bei Swisscom IT Services die kommerziellen Verantwortung für mehrere Großprojekte.
Nach Ausbildungen im Bereich der Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft und Unternehmensführung hat er kürzlich einen eMBA Titel in International Leadership erlangt.
Weiterführende Links
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Vielen Dank an Reto für das Interview, die Bilder und den Rabatt für die Leser dieses Blogs!









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