Interview mit Matthias von gedankenpflug.de
Bitte stell doch dich und deinen Blog kurz vor.
Welcher ist der Status des Eigennamens im Netz? Heiße ich ‚Gedankenpflug‘ oder ‚Matthias Pleye‘? Nun, ich will traditionell bleiben, soll meinen: ganz unvirtuell realwirklichkeitsverankert. So kann ich denn mit Fug und Recht behaupten, dass ich Matthias Pleye heiße, schon immer so hieß, 32 Jahre alt bin und in Berlin wohne. Nebenbei bemerkt: Es ist unmöglich, in Berlin zu wohnen und nicht Lokalpatriot zu werden. In jedem Fall gefällt es mir besser, dass ich in Berlin wohne, als dass ich schon 32 Jahre alt bin. – Und man wird ja nicht jünger… (Solche Banalitäten versuche ich auf meinem Blog zu vermeiden.)
Meine Frisur ist nicht mit der von Sascha Lobo zu vergleichen, nicht im Geringsten. Und die Auskunft, dass ich gerne guten Fußball schaue (oder auch mal Hertha BSC…) und von allen Eissorten momentan am liebsten ‚Karamell‘ mag – ‘Pistazien’ ist allerdings schwer im Kommen -, und zwar, wenn möglich, das aus einer ganz bestimmten Eisdiele am Potsdamer Platz, dürfte mein Profil abrunden. Wie Ihr schon merkt, sind mir Personaler herzlich egal, als Personaler, nicht als Menschen, auf meinem Blog aber ebenso herzlich, ja mindestens ebenso herzlich willkommen, auch als Personaler.
Mein Blog heißt ‚Gedankenpflug‘, weil das Wort Flug (gesprochen) und Pflug (geschrieben) und damit symbolisch Luft und Erde, Geist und Materie für die Ebene des Denkens miteinander verschmilzt. Das gefiel mir, denn die Gedanken meines Blogs sollen weder erdentbunden noch erdverhaftet sein. Ohne die Bodenhaftung zu verlieren, sollen sie sich in die Weite der Lüfte wagen.
Thematisch behandelt der ‚Gedankenpflug‘: Politisches, Kulturell-Philosophisches, Aphorismen; und auch ein bisschen Geschichte, Fußball und Berlin. Einer meiner Aphorismen lautet: „Das Faszinierendste an Museen sind die schönen Frauen zwischen den Ausstellungsstücken.“ Ich bin aber im Prinzip kein Macho und habe auch Sinntieferes im Angebot. Mein Blog ist überhaupt der geniale Aufenthaltsraum für jedermann und jede Frau. Ich sage dies nur, damit Ihr nicht später meckert, dass es Euch keiner gesagt hätte.
Wieso hast du deine Blogs ins Leben gerufen?
Ich blogge aus einem ‚Zufall‘ heraus. Da es Zufälle in diesen Dingen natürlich nicht gibt, ich die wahre Erklärung aber nicht kenne, überlasse ich die Ursachenforschung den motivationswissenschaftlich Versierten unter Euch. Aus meiner Sicht trug es sich so zu: Jemand sagte mir, dass ein Blog etwas für mich sein könnte. Ich versuchte ein wenig herum. Es machte mir Spaß. Und schwupp, hatte mich die Blogosphäre gewonnen. Ziel meines Blogs ist es nicht, alle Menschen glücklich zu machen und mir die schärfsten Frauen ins Bett zu bloggen, wenn sich auch mit beiden Nebenwirkungen im Notfall leben ließe.
Aber halt: Für den Bereich des Politischen habe ich vielleicht einen Grund in petto. Ich glaube, dass dort unglaublich viel Unfug getrieben wird. Und sollte ich den einen oder die andere davon überzeugen können, dass Unfug eben Unfug ist, und sollte ich mich zusätzlich nicht irren, so wäre ich damit zufrieden. Ich bin aber kein Parteitrompeter. Überhaupt höre ich Musik lieber, als dass ich selbst musizierte. Von Antonio Vivaldi bis Emiliana Torrini höre ich quasi alles, aber daraus nur das Gute. Ich weiß nicht, wie es Euch geht?
Kannst du uns einige Eckdaten zu deinem Blog geben?
Ich blogge seit Dezember 2008, ernsthaft aber erst seit letztem Sommer. Mein Ziel von mindestens 20.000 Unique Visitors täglich habe ich noch nicht erreicht. Momentan sind es ca. 300. Aber ich sage mir, dass es ja auch nur 299 sein könnten. Und dann bekomme ich wieder gute Laune, lutsche mir einen Drops und verfasse einen Tweet. Im Ganzen haben es die Besucherzahlen nicht geschafft, mich in die Depression zu stürzen. Das wichtigste Eckdatum meines Blogs ist natürlich seine Einmaligkeit. Wer stirbt, ohne mein Blog gekannt zu haben, wird es vorm Jüngsten Gericht nicht leicht haben.
Welche Methoden hast du genutzt, um deinen Blog bekannt zu machen?
Fester Glaube an meine Einzigartigkeit, Kommentare auf anderen Blogs, Blogrolle, Twitter, Facebook, diverse Foren, Mundpropaganda, Gottvertrauen…
Welche Einnahmequellen nutzt du auf deinen Blog und mit welchen hast du die beste Erfahrung?
Im Augenblick nutze ich AdSense und Amazon-Partnerlinks. AdSense läuft bei mir ganz ordentlich, seitdem ich, wo ich sie bemerke, Anzeigen à la ‚Willige Russin sucht deutschen Ehemann für Liebe und Kuchenbacken‘ gnadenlos herausfiltere. Sollten meine Besucherzahlen sich günstig entwickeln, attackiere ich bald die Direktvermarktung.
Welchen Wert legst du auf SEO und wie viele deiner Besucher kommen über Suchmaschinen?
Wahrscheinlich zu wenig. Ich habe die gängigen SEO-Plugins für WordPress installiert, achte ein wenig auf die Überschriften und bin mit dem Effekt ganz zufrieden. Ein Drittel meiner Besucher kommt über Suchmaschinen. Ist meine Zufriedenheit berechtigt? Ich weiß ja nicht, was möglich wäre. Na ja, besser unbekannte Möglichkeiten als desaströse Notwendigkeiten…
Woher bezieht man als Blogger immer die Neusten Informationen?
Manchmal bin ich schon mit den alten Informationen zufrieden, wenn sie keiner zur Kenntnis genommen hat. Andernfalls schaue ich mich auf News-Portalen um, huldige dem Feed-Reader, konsultiere meine ‚Freunde‘ in den sozialen Netzwerken und blättere auch ganz klassisch in Zeitungen und Zeitschriften herum. Die Top-Infos bekomme ich aber oft von Tante Hertha gleich unten in der Realität um die Ecke.
Was hältst du aktuell vom stark diskutierten Microblogging-Dienst namens Twitter?
Ich finde ihn gut. Twitter macht Spaß und spült täglich ungefähr 50 Leser auf mein Blog. Besonders die so genannten Twitter-Listen sind eine hilfreiche Neuerung. Mir als Aphoristiker kommt die auf Twitter verlangte Kurzform entgegen. Ich liebe diese intelligenten, witzigen, kunstvollen Tweets, die man zuweilen aus dem Stream fischen kann. Echte Künstler tummeln sich da. Allerdings ist mir unerfindlich, aus welchem Grund Abertausende twittern, dass sie zu Mittag essen. Wenn sich nun just im Sonntagsbraten ein Goldbarren versteckt hatte, können sie’s ja meinetwegen… Aber sonst?
Welche Blogs verfolgst du selbst regelmäßig?
Die, die ich gerne lese.
Was würdest du rückblickend betrachtet auf deinem Blog anders machen?
Rückblickend würde ich es sicher so anstellen, dass ich bereits jetzt 20.000 Leser täglich hätte und mit dem Blog 3.000 Euro im Monat verdiente.
Dein Tipp für alle Blogger, die erfolgreich einen Blog aufbauen möchten?
Lasst es bleiben! Es ist viel zu zeitaufwendig, macht viel zu viel Spaß, und wenn Ihr nicht aufpasst, wird das Bloggen eines Tages Euer Beruf. Und was wäre bitteschön das: ein Beruf, der von vorne bis hinten Spaß macht? Wie wollt Ihr so was vor Euern Kinder rechtfertigen, die in die Schule müssen? – Und wenn Ihr Euch schon in Euer Unglück schreiben müsst, dann beachtet dies: Entweder Ihr könnt richtig gut schreiben. Dann ist Euer Thema fast egal. Der Leser wird’s Euch verzeihen. Oder Ihr habt ein richtig gutes Thema, über das Ihr Euch sogar kompetent äußern könnt. Dann wird Euch die Leserin auch eine miserable Schreibe verzeihen. Am besten aber, Ihr bearbeitet mit toller Schreibe kompetent ein richtig gutes Thema. Dann erwarte bloß ich, dass Ihr mich für mein Coaching hier an Eurem Gewinn beteiligt. Kontaktiert mich einfach per E-Mail.
Vielen Dank an Matthias für das Interview.






November 24th, 2009 at 19:18
Schoenes Interview. Den Gedankenflug lese ich sehr gerne schon seit langer Zeit… :)
November 25th, 2009 at 14:52
Vielen Dank, Paramantus, alter Kollege aus Overblog-Zeiten! :-)