Interview mit Marco von mindsdelight.de

Bitte stell doch dich und deinen Blog kurz vor.
Also mein Name lautet Marco, ich bin 23 Jahre alt und komme aus dem wunderschönen, aber verkannten Berliner Stadtteil Neukölln. Ich wurde zwar in Brandenburg geboren, wo ich auch die ersten 20 Jahre meines Lebens verbrachte, aber nachdem ich schon drei Jahre hier lebe, darf ich mich wohl als Neuköllner bezeichnen.
Beruflich lasse ich mich gerade zum Fachinformatiker ausbilden, nachdem ich schon einen kurzen, aber wenig erfolgreichen, Besuch an einer Uni hinter mich gebracht habe.
Der Name meines Blogs hingegen lautet Minds Delight und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem, was mich auch beschäftigt. Das ist zum einen Kunst und Design in den verschiedensten Formen, Musik in den verschiedensten Variationen, Filmen unterschiedlichster Machart und allerlei Krimskrams, von dem ich hoffe, dass es meine Leser unterhält, zum Nachdenken anregt oder sonst irgendeine Reaktion in ihnen hervorruft.
Man könnte sagen, dass mein Blog eine Art Mashup-Blog ist, in dem die Kuriositäten des Internets, von meinem Interesse gefiltert, einen Platz finden. Dazu sei gesagt, dass der Blog kein anonymes Sammelsurium ist. Viel mehr lege ich wert darauf jedem Beitrag eine gewisse persönliche Note zugeben, um meine Leser noch ein kleines bisschen mehr zu unterhalten oder sie gar zu einem Kommentar zu verleiten. Es ist merkwürdig – so lange ich dieses, mittlerweile doch recht zeitintensive Hobby, schon betreibe, so schwer fällt es mir auch eine prägnante Definition für meinen Blog zu finden.
Wieso hast du den Blog ins Leben gerufen?
Ich kann mich nicht genau daran erinnern, was der Auslöser dafür war, einen Blog zu starten. Wahrscheinlich war es einfach meine Internetaffinität, gepaart mit einem breiten Interessenspektrum und einem latenten Hang zur Selbstdarstellung. Die Langeweile und der Wunsch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu haben waren sicher auch nicht unerheblich und ich bin heute noch ein bisschen erstaunt über mich selbst, wie konsequent und durchhaltend ich dieses Hobby betreibe.
Kannst du uns einige Eckdaten zu deinem Blog geben?
Der Blog besteht seit etwa 1.5 Jahren und täglich finden etwa 400 Leute ihren Weg dort hin. Ich muss ehrlich gestehen, dass, obwohl das schon seit einiger Zeit so ist, mich die Besucherzahlen noch immer gleichzeitig überraschen und erfreuen.
Welche Methoden hast du genutzt, um deinen Blog bekannt zu machen?
Eigentlich habe ich kaum etwas Außergewöhnliches unternommen. Ich habe den Blog einfach in verschiedenen Blogverzeichnissen angemeldet und versucht darauf zu achten, sauberen Code produzieren zulassen. Tatsächlich halte ich es immer noch für die beste Möglichkeit, seinen Blog bekannt zumachen, indem man einfach qualifiziert auf anderen Blog kommentiert.
Welchen Wert legst du auf SEO und wie viele deiner Besucher kommen über Suchmaschinen?
Von SEO habe ich genau gar keine Ahnung. Ich weiß, dass es wichtig zu sein scheint, warum und wieso aber absolut nicht. Wenn mich dahingehend jemand aufklären möchte, bin ich für Ratschläge immer offen. Es ist nicht so, dass ich nicht versucht hätte, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Allerdings ist dies eines der Dinge, die sich mir einfach nicht erschließen wollen. Laut Google Analytics aber kommen rund 30% meiner Besucher über Suchmaschinen auf meinen Blog. Ob das nun ein eher guter oder ein eher schlechter Wert ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen.
Vor kurzem warst du im Fernsehen mit deinem Blog. Warst du überrascht wie viele Besucher sich durch einen kurzen Beitrag ohne die Nennung der URL auf deinen Blog verirrt haben?
Überrascht ist nicht das richtige Wort. Eher erschrocken und entsetzt. Um die Geschichte noch einmal kurz aufzurollen: Galileo berichtete in der Kategorie Fakecheck, über Kühe, denen zu wissenschaftlichen Zwecken Löcher in den Pansen implantiert wurden (das ist übrigens ein Vorgang, bei dem die Tiere keinerlei Leid verspüren). Dabei gaben sie bei Google schlichterweise „Kuh mit Loch“ ein und landeten direkt auf meinem Blog, den sie auch, ohne ihn zu nennen oder den Titel zu zeigen, durch scrollten. Offenbar saßen gerade viele Leute an ihren Rechnern und vollzogen diese Suche nach, woraufhin sie auch direkt bei mir landeten. Der Besucheransturm war zeitweise so groß, dass der Server in die Knie ging. Scheinbar hat das die Leute sehr interessiert, da das ganze an den folgenden beiden Tagen genau so weiter ging. Der Server hat es da dann allerdings ausgehalten.
Ich fand es einfach ein bisschen erschreckend zusehen, welche Macht das Fernsehen doch hat, wie sie das Interesse von Menschen auf Themen lenken können und wie wenig aktuell es doch, im Vergleich zum Internet, eigentlich ist.
So richtig erschrocken aber hat mich irgendwie, dass mein Blog auf einmal extrem real wurde. Prinzipiell treiben sich dort immer die selben Leute herum, aber plötzlich gab es hunderte von Leuten, die einen Artikel von mir lasen, den ich vor Wochen verfasste, der sogar im Fernsehen zusehen war. Es ist ein bisschen schwierig zu beschreiben, was ich damit meine, aber man muss sich wirklich erst darüber bewusst werden, dass das, was man schreibt, auch tatsächlich gelesen wird und bei irgendjemandem irgendeine Reaktion hervor ruft. Es klingt trivial, aber darauf muss man wirklich gefasst sein.
Warum monetarisierst du deinen Blog nicht?
Die einfachste Antwort wäre wohl, dass mich die Angebote, die bei mir einflattern, meistens nicht interessieren. Größtenteils passen sie einfach nicht zum Stil meines Blogs oder ihre Wünsche sind für mich aus verschiedenen Gründen nicht vertretbar (nachträgliches verlinken in Artikeln zum Beispiel).
Für eine komplexere Antwort müsste ich weiter ausholen. Im Prinzip habe ich absolut nichts gegen Werbung in Blogs. Wenn jemand mit dem, was er gern macht, auch noch den ein oder anderen Taler verdienen möchte, dann gibt es keinen Grund, warum das in irgendeiner Weise schlecht sein sollte – auch, wenn andere Leute da sicher etwas anderes behaupten würden. Mir persönlich jedenfalls gefallen die gängigen Methoden zum Geld verdienen mit Blogs nicht. Google Adsense ist einfach hässlich, Artikel gegen Bezahlung würden, denke ich, an meiner Glaubwürdigkeit zehren und ein einfacher Link in der Sidebar bringt im Endeffekt genau gar nichts. Ich suche auch gar keine anonyme Geschäftsbeziehung, sondern viel mehr einen Partner, mit dem ich Zusammen Aktionen veranstalten kann, am besten mit einem Vertrieb, der irgendwie thematisch zu meinem Blog passt. Ja und das hat sich bisher einfach noch nicht ergeben.
Ein anderer Grund wäre vielleicht noch, dass das Bloggen für mich nur ein Hobby ist, das mir sehr viel Spaß bereitet. Wenn ich damit auf einmal Geld verdienen würde, wäre es so etwas wie Arbeit – und Arbeit, die Spaß macht, gibt es nicht.
Was hältst du aktuell vom stark diskutierten Microblogging-Dienst namens Twitter?
Twitter macht in gewisser Weise schon Sinn – ob man es nun dazu nutzt, mehr oder weniger gehaltvolle Nachrichten in den Äther zu verschicken, oder um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Allerdings hielt ich Twitter anfangs, wie sicher auch viele andere, die vorher bloggten, für den größten Schwachsinn, den es geben kann. Ich fragte mich ehrlich, wie man wirklich sinnvolle Dinge mit gerade einmal 140 Zeichen vermitteln kann. Heute aber weiß ich, dass ich den Begriff „Microblogging“ einfach nur falsch interpretiert habe. Ich dachte eben, dass es das Selbe ist, wie normales Bloggen, nur eben kürzer. Dabei hat Twitter heute für mich zwei Aufgaben zu bewältigen:
Die erste liegt klar auf der Hand und ist die, die anfangs beschrieb. Dazu nutze ich es auch, mitunter recht intensiv, aber nicht immer sinnvoll.
Die zweite Aufgabe, die Twitter in meinen Augen zukommt, ist, Informationen auf kürzestem und einfachstem Wege zu übermitteln. Sei es nun für den Blogger, über einen neuen Post zu informieren oder generell, um interessante Links herum zu schicken. Ich sehe Twitter also nicht als Bloggen 2.0, sondern viel mehr als Ergänzung zum Bloggen. Vielleicht sollte man auch einfach weniger darüber diskutieren und eher für sich selbst entscheiden, wie man was in welcher Form nutzen möchte.
Tumblr-Blogs hingegen sind da aber schon wieder eine ganz andere Geschichte.
Welche Blogs verfolgst du selbst regelmäßig?
Insgesamt verfolge ich weit über 200 Blogs, die mir zum einen als Quellen und zum anderen als Inspiration dienen. Klar, dass ich diese hier nicht alle aufführen kann. Wer allerdings auf ein paar Blog-Empfehlungen scharf ist, darf gerne mal in meine Blogroll schauen. Diese Blogs kann ich uneingeschränkt empfehlen.
Was würdest du rückblickend betrachtet auf deinem Blog anders machen?
Wenn ich noch einmal völlig neu anfangen müsste, würde ich direkt auf gemieteten Webspace zurückgreifen. Anfangs war ich noch bei einem Free-Webspace-Anbieter, dieser aber bot mir nicht die Möglichkeiten, die man als Blogger braucht. Zudem platzierte er Werbung, in Form von Layer-Ads, auf meinem Blog, was im Nachhinein betrachtet extrem lästig war. Ansonsten würde ich wohl nichts anders machen, da alles, was ich seit dem getan habe, mein Blog zu dem werden ließ, was er heute ist. Es waren alles Erfahrungen, die man wohl einfach machen muss.
Dein Tipp für alle Blogger, die erfolgreich einen Blog aufbauen möchten?
Wenn ich solche Tipps hätte, würde ich sie ja selbst anwenden. Ich denke, oder ich hoffe eher, dass es am Wichtigsten ist, immer man selbst zu bleiben. Man darf anderen Leuten nicht nach dem Mund reden, sollte immer zu seiner eigenen Meinung stehen, man muss aber auch Fehler zugeben können. Der wichtigste Tipp ist wohl aber, dass man einfach durchhalten muss. Zu Anfang macht es einem noch extrem viel Spaß, aber schon nach den ersten Wochen muss man sich wirklich manchmal aufraffen, um neuen Content zubringen. Vor allem, wenn die Erfolge, oder eher „Erfolge“ ausbleiben. Wenn man diese Phase aber übersteht, seinen eigenen Rhythmus findet und das ganze in einem Maß betreibt, dass es eben ein Hobby bleibt und keine Belastung wird, denk ich, dass man ein guter Blogger werden kann. Man muss halt Spaß an der Sache haben. Das ist wohl das ganze Geheimnis dahinter.
Vielen Dank an Marco für das tolle Interview!





Dezember 7th, 2009 at 18:32
Dem Aufruf von Marco gefolgt möchte ich doch einmal hier meinen Kommentar hinterlassen und Marco zu seinem tollen Interview gratulieren. Hat Spass gemacht zu lesen.
Dezember 7th, 2009 at 19:36
heh, echt interessant zu lesen.
aber die mit dem fakecheck hat jetzt echt nen eeeeeeewigen bart :P
Dezember 7th, 2009 at 19:57
Hast du fein gemacht :)
Immer wieder recht interessant, sowas zu lesen :P
Dezember 7th, 2009 at 21:19
Interessant udn Aufschlussreich das Interview, dachte irgendwie immer du wärst in etwa so alt wie der Dok, lag da wohl um etwa ein halbes Jahrzehnt daneben…
Dezember 7th, 2009 at 21:31
Marco for president!! Wir lieben dich!!
(*) namensähnlichkeiten sind auf gleichsinnikeiten unserer eltern zurückzuführen ;)
Dezember 7th, 2009 at 21:48
Nettes und vor allem sehr persönliches Interview!
Dezember 7th, 2009 at 21:51
Freut mich, dass es euch gefällt :D
InsaneGoblin: Na wenn die Leute das doch hören wollen… ich werd die Story auch noch mit 70 erzählen. Immer und immer wieder… und wieder… und wieder :D
Dezember 7th, 2009 at 22:02
Fernsehen, Interviews, Selbstdarsteller.
…jetzt muss er nur noch Pete Dorothy flachlegen!
Im Ernst: Nettes Interview, den “Spaß an der Sache” kann ich gut rauslesen; die Leidenschaft kommt dann eh von alleine. Vielleicht.