Interview mit Karl-Heinz Wenzlaff – “Unternehmens-Blogs sind ein wichtiger Baustein für gut besuchte Firmenwebsites”
Bitte stell dich kurz vor.
Ich blogge seit 2005 und habe 2007 mein Hobby zum Beruf gemacht. Seitdem berate ich Unternehmen beim professionellen Einsatz von Blogs, habe hunderte Teilnehmer in meinen Workshops mit Business-Bloggen, WordPress und Social Media vertraut gemacht. Viele meiner Seminare in Frankfurt, Hamburg, Köln, Stuttgart, Berlin, Wien und München sind offene Seminare, an denen jedermann teilnehmen kann. Andere Workshops finden in Agenturen, Verlagen, Industrie-Unternehmen oder Online-Redaktionen statt.
Du bezeichnest dich selbst als Blog-Trainer. Was versteht man darunter?
Unternehmens-Blogs sind ein wichtiger Baustein für gut besuchte Firmenwebsites. Wenn Unternehmen also ihre Produkte und Dienstleistungen über die Website verkaufen wollen, brauchen sie Blogs, um Interessenten anzuziehen und dauerhaft an die Website, das Angebot oder die Marke zu binden. Viele Unternehmen wissen das, viele scheitern aber an der praktischen Umsetzung. Natürlich kann gute Technik oder gutes Design viel zum Erfolg eines Business-Blogs beitragen. Noch mehr kommt es aber auf das Know-how der Firmenblogger oder bloggenden Unternehmer an. Wie beim Autofahren ist der Fahrer und seine Fähigkeiten entscheidend dafür, dass man das richtige Ziel erreicht. Und ich bin gewissermaßen „Fahrlehrer“ für Blogs und Blogger.
Was sind die häufigsten Fragen, mit denen du auf deinen Seminaren konfrontiert wirst?
Worüber lohnt es sich zu bloggen? Welche Themen interessieren die Leser? Wie geht man mit Kommentaren, positivem wie negativem Feedback um? Wie hoch muss die Postingfrequenz sein, um Reichweite aufzubauen? Wie sind die Konversions-Raten aus Blog-Traffic im Unterschied zu Traffic aus Adwords oder generischem Traffic?
Aber auch: Wie startet man mit dem Bloggen? „Muss“ man selbst bloggen oder kann man das an Agenturen delegieren?
Du bietest den zweitägigen Workshop „WordPress – Bloggen für Profis“ an. Welche Personen buchen solch einen Workshop und begleitest du die Personen danach auch weiter?
“Bloggen für Profis“ wird besonders von Teilnehmern aus kleinen Unternehmen und Einzelunternehmern gebucht. Diese kommen aus vielen Branchen, besonders aus beratenden Berufen. Darunter sind Marketing-Profis, PR-Berater, Rechtsanwälte, Unternehmensberater, Touristiker vom Hotelier über spezialisierte Reiseveranstalter bis zum Reisebüro-Inhaber, Online-Händler und Portal-Betreiber.
Natürlich endet die Beziehung nicht mit dem Seminar. Viele Teilnehmer haben aus dem Workshop heraus ihre Business-Blogs entwickelt. Manche dieser Kunden berate ich bereits über mehrere Jahre, andere haben weiterführende Seminare bei mir gebucht.
Wie hat sich für dich die Blogszene / Blogosphäre seit Bestehen (ca. 7-8 Jahren) verändert?
Um erfolgreich zu bloggen, muss man heute mehr als damals von Suchmaschinen-Optimierung verstehen. Es ist nicht damit getan, WordPress und ein paar SEO-Plugins zu installieren. Optimierung ist ein dauernder Prozess und kein einmaliges Projekt, und wer sein Wissen nicht aktuell hält und anwendet, rutscht schnell bei Google wieder ab. Spezielle Blogsuchmaschinen und Blogverzeichnisse haben (abgesehen von einigen Ausnahmen) ihre frühere Bedeutung eingebüßt.
Stattdessen ist Social Media mit all seinen Facetten, von Twitter bis Facebook, zum zweitwichtigsten Traffic-Bringer für Blogs und andere Websites geworden.
Welches sind die häufigsten Fehler, die du auf Blogs entdeckst?
Man sieht leider immer häufiger Blogs, die nur wie klassische CMS betrieben werden. Dabei haben Blogs so viele Möglichkeiten, Besucher anzuziehen! Viele Blogger verlinken zu wenig und verspielen dabei die Möglichkeit, über Trackbacks gute Nofollow-Backlinks zu ziehen. Oft werden RSS-Feeds weder verstanden, noch zielgerichtet für das Blog genutzt. Viele Blogger betreiben keinen gezielten Community-Aufbau und haben deshalb zu wenig Abonnenten und Stammleser.
Inwieweit empfiehlst du auf deinen Seminaren SEO bzw. SEO-Agenturen zu nutzen?
SEO-Kenntnisse sind für ein erfolgreiches Blog wichtig. Die On-Page-Optimierung kann man mit guten SEO-Plugins wie wpSEO von Sergej Müller ideal vorbereiten. Suchmaschinengerechtes Schreiben und die richtige Anwendung von SEO-Tools (Google Webmaster, Keyword Tool External, Google Analytics usw.) muss ein Blogger schon in die eigenen Hände nehmen.
Von Suchmaschinenmarketing halte ich dagegen nicht viel, weil man mit einem guten Blog auch in den generischen Suchergebnissen leicht unter die ersten drei oder fünf kommen kann.
Was hältst du vom stark diskutierten Microblogging-Dienst namens Twitter?
Twitter wird ja nicht nur stark diskutiert, sondern bereits stark genutzt. Allerdings werden viele Twitter-Versuche von Unternehmen ausgesprochen schlecht vorbereitet. Die Unternehmen sind oft schlecht oder gar nicht beraten. Bei Twitter geht es nicht etwa um einen weiteren Werbekanal, sondern um persönliche Kommunikation. Marken können nur sehr bedingt twittern. Besser können und sollten Einzelpersonen als Markenbotschafter das Twitter übernehmen.
Für Einzelunternehmer ist Twitter ein ideales Onlinemarketing-Tool, mit dem man viel Aufmerksamkeit für sein Business-Blog oder seine Website erzielen kann. Auf meine Website kommen rund 100 Leser pro Tag direkt von Twitter.
Welche Blogs verfolgst du selbst regelmäßig?
Ich lese täglich rund zweihundert Blogs im Feedreader und versuche, mich an aktuellen Diskussionen zu beteiligen. Das sind englische Blogger über Online Marketing und Inbound Marketing, wie Darren Rowse, Chris Brogan, Brian Clark und David Meerman Scott, aber auch Blogs deutscher Kollegen, wie Martin Meyer-Gossner, Peer Wandiger, Jens Stolze oder Kerstin Hoffmann.
Dein ultimativer Tipp für alle Blogger, die einen Blog aufbauen möchten?
Verlinken! Aus Outbound-Links werden Inbound-Links, wenn man alles richtig macht.
Vielen Dank an Karl-Heinz für das Interview






März 4th, 2010 at 13:14
Was mich in diesem Zusammenhang interessieren wUrde: Welche Unternehmensblogs haben durch Deine Starthilfe das Licht der
Oeffentlichkeit erblickt und welche erfüllen die von Dir skizzierten Anforderungen?
März 5th, 2010 at 11:00
@Uwe Knaus:
Einige Referenzen findest Du auf meiner Referenzseite. Was mich daran erinnert, dass diese wieder mal ein Update benötigt, denn es sind einige hinzugekommen. Ich tracke allerdings nicht alle Blogs meiner Seminarteilnehmer, das sind dann doch einige hundert inzwischen.
Zu den skizzierten Anforderungen: Wie bei jeder Beratung wird natürlich nicht jeder Rat angenommen und nachfolgend auch umgesetzt. Das ist das Leid aller Berater.
Hinzu kommt, dass bei weitem nicht jeder Kunde ein Budget wie Daimler hat und damit Luebue oder Edelman an den Start bringen kann.
Bei vielen meiner Kunden liegt das Budget für die Blogberatung und das Blog-Coaching im kleinen vierstelligen oder gar nur im dreistelligen Bereich. Aber ich mache es trotzdem gern, weil ich für das Thema brenne.
Grüße nach Stuttgart!