Ganzrechtsunten.de: “Der Blog ist aus der Idee heraus entstanden, unsere Eltern und Freunde über unsere Erlebnisse auf dem Laufenden zu halten”
Bitte stell dich und euren Blog kurz vor.
Wir drei Medienstudenten, Claudia Scheel (25), Jeremias Endres (26) und Thomas Bossnack (25) nehmen uns kurz vor unserer Masterarbeit ein Jahr Auszeit und reisen durch Neuseeland. Ein Großteil unserer Ausrüstung besteht aus technischem Equipment, um unsere Abendteuer festzuhalten und medial für unsere Leser aufzubereiten.
Unser Neuseelandblog enthält mehr als nur gute Tipps, wo man unbedingt gewesen sein muss. Wir versuchen, das Lebensgefühl und das Abenteuer eines Work&Travel Jahres in Videos, Texten und Bildern zu dokumentieren. Man kann uns beim Ziegenmelken, Skydiven und Autokaufen begleiten, sieht, welche Erfahrungen wir mit dem Arbeiten und den Unterkünften machen oder liest unsere ganz persönlichen Eindrücke auf der Reise. Ein paar unserer Leser beschreiben den Blog als „kultig“, was in unserem Fall so viel heißt, wie „einfach mal anders“.
Wie kam die Idee zustande, zu der Reise einen Blog zu starten?
Ein Blog lohnt sich erst, wenn man wirklich etwas zu erzählen hat. Als Medienstudenten haben wir uns bereits in verschiedensten Arbeiten und Vorlesungen z.B. im Bereich E-Learning mit dem Thema des Blogschreibens auseinander gesetzt und wollten unbedingt selbst erfahren, wie es ist, wenn die ganze Welt mitliest. Außerdem vermissten unsere Eltern uns ja bereits, bevor wir losgeflogen sind und so versprachen wir, alle interessanten Schritte mit der Kamera festzuhalten. Der Blog ist also aus der Idee heraus entstanden, unsere Eltern und Freunde über unsere Erlebnisse auf dem Laufenden zu halten. Bei der Konzeption wollten wir dann aber ziemlich bald über Eltern, Familie und Freunde hinaus gehen und eine Hilfe und Unterhaltung für Viewer geben, die ähnliches vorhaben. Diese multimediale Form der Dokumentation einer solchen Reise haben wir sonst nirgendwo finden können.
Warum habt ihr euch speziell Neuseeland für eure Reise ausgesucht?
Für Neuseeland als Reiseziel haben wir uns deshalb entschieden, weil es berühmt für Work&Travel-Reisen ist. Es wird einem hier einfach gemacht, ein Visum zu bekommen, eine Steuernummer zu beantragen und ein Auto zu kaufen. Das ganze Land ist auf Backpacker eingestellt und empfängt sie mit einer ungeahnten Freundlichkeit, jeder Menge Reiseangebote und tollen Unterkünften. Das Wohnen und Essen ist preiswert. Und als ob das noch nicht genug wäre, ist die Landschaft atemberaubend. Kein Wunder, das ein Märchen wie „Herr der Ringe“ nur hier gedreht werden konnte.
Wie habt ihr euch auf das Jahr im Ausland vorbereitet?
Die Vorbereitungen zu unserem Auslandsjahr liefen parallel zu unserem letzten Vorlesungssemester in Offenburg. Wir hatten uns gegen eine Reiseagentur entschieden, die viele Schritte abgenommen hätte, weil deren Preise unserer Meinung nach zu hoch ausfallen. Da wir uns zu dritt in dieses Abenteuer stürzten, hatten wir den Vorteil, von den Recherchen der anderen zu profitieren. So fanden wir beispielsweise heraus, dass ein Arbeitvisum für Neuseeland direkt im Internet beantragt werden kann und welche essentiellen Charakterfragen in dem Fragebogen unbedingt richtig beantwortet werden mussten. Neben der Backpackerausrüstung beschafften wir uns eine Videokamera, Speichermedien und Reiseführer und ließen unsere Spiegelreflexkamera reinigen. Gut, dass grad Weihnachten war. Wir verbreiteten die Kunde über unseren Blog in allen sozialen Foren, in denen wir angemeldet sind. In unserem Blog haben wir damit begonnen, unsere Vorbereitungen zu dokumentieren. In diesen ersten Videos konnten wir die Schnittprogramme und Kameratechnik kennenlernen. In diesem Stadium erhielten wir bereits das erste Feedback über unsere Kommentarfunktion, was uns jeden Tag wieder motiviert.
Kannst du uns einige Eckdaten zu eurem Blog geben?
Wir haben im Januar 2010 angefangen, über unsere Reisevorbereitungen zu bloggen. Da wir ehrgeizige Medienstudenten sind, hatten wir uns als Ziel gesetzt, ein möglichst hohes Ranking bei Google unter dem Suchbegriff „Neuseeland Blog“ zu erreichen, was sich aufgrund der Vielzahl an Neuseeland-Blogs als nicht ganz einfach herausstellte. Inzwischen sind wir hier auf Platz 2 bis 3 und haben einen PageRank von 3. Das ist schon ganz ordentlich für einen 3 Monate alten Blog. Zur Zeit haben wir in etwa 60 – 70 Besucher pro Tag. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn diese Zahl noch weiter steigt. Doch selbst andere populäre Blogs über Neuseeland haben ähnliche Userzahlen.
Auf unserem Blog gibt es sehr viele Videos und Fotos, wöchentlich kommen neue dazu. Außerdem gibt es einen kleinen Shop-Bereich, auf dem die User gebrandete Gimmicks wie unsere kultigen T-Shirts oder Ansteck-Buttons bestellen können. Auf einer Google Map kann man unsere bisher zurückgelegte Route verfolgen. In unregelmäßigen Abständen verschicken wir Newsletter mit zusätzlichen Infos, Oster- oder Muttertagswünschen. Eintragen kann man sich hierfür ebenfalls direkt auf dem Blog.
Unser Blog ist außerdem in diversen Social Networks wie Studivz, Facebook, Twitter oder MySpace vertreten und hat auch dort regelmäßige Zugriffe, Follower oder Fans.
Welche unvergesslichen Momente habt ihr bis jetzt auf eurer Reise erlebt?
Jeder macht sicher seine eigenen unvergesslichen Erfahrungen in diesem Land. Wir sind noch längst nicht am Ende unserer Reise und doch haben wir schon ein paar dieser Augenblicke erlebt. Auf gar keinen Fall hätten wir gedacht, dass es so ein besonderes Gefühl ist, wenn man auf der Oberfläche der riesigen Wassermassen des tiefen Ozeans mit dem Auftrieb des Neoprenanzugs treibt, unter sich schaut und aus dem schwarzen unendlichen Nichts ein großer Delphin erscheint, der dann ein paar Zentimeter weit weg unbeirrt ins Nichts verschwindet. Überrascht waren wir auch, als sich Nieselregen und tiefe Wolken als das ideale Wetter für unseren Ausflug zu den Milford Sounds herausstellte. Denn bei strahlendem Sonnenschein hätten wir nicht die hundert Wasserfälle und die düstere Fjordlandschaft in uns aufsaugen können. Wir haben Regen im Gesicht noch nie so genossen, wie auf dem Deck des kleinen Schiffes, das uns auf hohen Wellen durch die Schluchten bis zum offenen Meer brachte.
Viele besondere Erinnerungen hängen mit den netten Menschen zusammen, die wir teilweise auch auf unserem Blog vorstellen, da sie einen großen Teil unserer Reise ausmachen. Wir versuchen dann, ihre Besonderheiten zu zeigen, indem wir sie selbst zu Wort kommen lassen. Einen unserer Wwoofing-Hosts hat uns sogar einen altenglischen Song gesungen, den unserer Leser nun anhören können.
Welche Jobs habt ihr bis jetzt ausgeübt um eure Reiskasse aufzubessern und was verdient man dabei?
Wir haben unsere Reise damit begonnen, die Südinsel Neuseelands zu erkunden. Anschließend ließen wir uns für den Winter in der sonnigsten Gegend nieder, der Stadt Nelson. Weil wir bisher nur Geld ausgegeben hatten, wurde unser Reisebudget immer knapper und so entschieden wir uns, erst einmal zu Wwoofen, also für Essen und Unterkunft auf einer Organic-Farm zu arbeiten. Zu dritt ist es etwas schwieriger einen Platz zu bekommen, aber zwei Ehepaare nahmen uns jeweils eine Woche auf. Wir lernten, wie man einen ursprünglichen neuseeländischen Wald pflanzt und pflegt und wie man Ziegen melken und aus deren Milch Käse machen kann. Beide Familien haben wir in Herz geschlossen und sehen sie jeden Samstag auf dem Wochenmarkt in Nelson wieder. Zur Zeit sind wir in der spannenden Phase der Arbeitssuche. In Neuseeland verdient man selten mehr, als den Mindestlohn, 12,50 Dollar (umgerechnet 6,20 Euro) pro Stunde, und so brauch man unter Umständen mehr als einen Job, um sich über Wasser halten zu können und zusätzlich noch etwas fürs Weiterreisen zu sparen. Letzte Woche hat Claudia einen Job in einem Pizzarestaurant ergattert, bei dem sie sich das erste Mal als Kellnerin ausprobieren darf. Außerdem fängt sie nächste Woche an, hier im Hostel drei Stunden pro Tag für freie Übernachtungen zu putzen.
Welchen Tipp würdet ihr anderen Backpackern geben, die sich nach Neuseeland aufmachen?
Anderen Backpackern, die Neuseeland dem teureren Australien vorziehen, würden wir raten, einen genauen Blick auf unseren Blog zu werfen, denn hier finden sich Tipps, die wir gerne vor der Reise gehabt hätten. Zum Beispiel ist es sehr ratsam, in der Hauptsaisonzeit abzureisen, denn hier kann man sein Auto für den doppelten Preis verkaufen, den man in der Nebensaison gezahlt hat. Bevor ihr euch jegliche Campingsachen, wie Kocher, Zelt etc. kauft, übernachtet lieber ein paar Nächte in Hostels, die einen ausgedehnten Free-Stuff-Bereich besitzen, also in den Abreisestädten Christchurch und Auckland. Hier lassen viele ihr gesamtes Hab und Gut kostenlos zurück, um kein Übergepäck auf dem Heimweg zahlen zu müssen. Außerdem kann man im Bookexchange die eigene Lektüre gegen alle denkbaren Reiseführer eintauschen. Ein Tipp, der uns Medienstudenten besonders am Herzen liegt: Wenn ihr euch irgendwann mal eine gute Fotokamera anschaffen wollt, tut es VOR dieser Reise, denn es bricht einem das Herz, wenn der Lake Wanaka mit seinen Segelboten, die goldenen Hügel und Täler dahinter und der weite Himmel Neuseelands auf den entwickelten Fotos aussieht, wie eine plane Fläche ohne Tiefe und Brillanz. Ein Foto wird diesen spannenden Landschaften in Neuseeland sowieso kaum gerecht und so ist eine Spiegelreflexkamera der erste Schritt, um die Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen.
Würdet ihr rückblickend auf dem Blog etwas anders machen?
Im Großen und Ganzen sind wir mit unserem Blog sehr zufrieden. Das nächste Mal würden wir aber vielleicht noch früher damit anfangen, über die Reisevorbereitungen zu berichten, da dies auch für viele andere Leser sehr interessant sein kann. Außerdem ärgern wir uns etwas, dass wir keine Ansteck-Buttons mit unserem Logo und der Webadresse drucken lassen haben, da dies ein nettes „Geschenk“ für andere Backpacker und Reisebekanntschaften wäre. Hier in Neuseeland ist das leider etwas teuer.
Euer Tipp an alle Reisenden, die wie ihr auf einem Blog über ihre Reisen berichten möchten.
Wir haben in unseren Vorbereitungen einige Reiseblogs gelesen. Die meisten sind wie ein Logbuch aufgebaut, das minutiös die einzelnen Etappen aufzählt oder es sind Berichte, die nur von Familienangehörigen und Freunden verstanden werden können, weil sie jede Menge persönliche Sprache beinhalten. Das ist natürlich auch völlig legitim, wenn man nur für die eigenen Bekannten schreibt. Also denke ich, gilt wie im Marketing: Mach dir deine Zielgruppe bewusst und finde deinen unverwechselbaren Ton. Unsere Texte greifen einzelne Erlebnisse auf und beschreiben sie mit Gefühl und Tiefe, ohne den Anspruch zu haben, jeden unserer Schritte zu dokumentieren. Man kann es vielleicht auch mit dem schießen eines guten Fotos vergleichen: Sich Einzelheiten heraussuchen und in Szene setzen und nicht mit dem Weitwinkel möglichst die ganze Landschaft drauf bekommen.
Vielen Dank an Claudia , Jeremias und Thomas für das Tolle Interview!









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